CHARITAS 💙

16.01.2026

„Charitas“ (oder auch „Caritas“) ist ein lateinisches Wort, das meist mit „Liebe“ oder „nächstenliebe“ übersetzt wird und eng mit der christlichen Lehre verbunden ist.

In der christlichen Theologie handelt es sich um eine der drei göttlichen Tugenden: Glaube (fides), Hoffnung (spes) und Liebe (caritas). In einigen Bibelübersetzungen (z. B. der lateinischen Vulgata) wird das Wort „caritas“ an Stellen verwendet, an denen in modernen Übersetzungen „Liebe“ steht. „Caritas“/„Charitas“ bedeutet hier nicht nur gewöhnliche menschliche Zuneigung oder Sympathie. Es ist die Liebe Gottes, die von Gott zum Menschen und zurück zu Gott fließt, sowie vom Menschen zum Nächsten.

Was genau bedeutet „Charitas“ im Christentum:
- Selbstlose, aufopferungsvolle Liebe, die keinen eigenen Vorteil sucht
- Die Liebe, mit der Gott den Menschen liebt und durch die der Mensch dazu berufen ist, Gott und seinen Nächsten zu lieben
- Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens – ohne Liebe (Charitas) hat keine gute Tat vor Gott ihren vollen Wert
- Eine übernatürliche Tugend, die bei der Taufe zusammen mit dem Glauben und der Hoffnung in die Seele eingeflößt wird

Beispiel aus der Bibel:
1. Brief an die Korinther 13 – der sogenannte „Hymnus an die Liebe“:
„Wenn ich alles, was ich habe, verschenken würde, wenn ich sogar meinen eigenen Leib hingäbe, um mich zu verherrlichen, so nützt es mir nichts, wenn die Liebe fehlt.“ (1 Kor 13,3)
„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1 Kor 13,13)
„Darüber hinaus zieht immer die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“ (Kol 3,14)

Der Unterschied zwischen „Charitas“ und „Charita“:
- „Charitas“ ist ein lateinischer Begriff, der die Nächstenliebe, eine geistliche Tugend, bezeichnet
- „Charita“ ist die davon abgeleitete deutsche Bezeichnung für eine konkrete wohltätige Tätigkeit oder Organisation

„Charitas“ und der Paulanerorden (Orden der Kleinbrüder des heiligen Franz von Paula):

Der Orden der Kleinbrüder (lat. Ordo Minimorum), in Tschechien als „Pauliner“ bekannt, ist ein katholischer Orden, der vom heiligen Franz von Paola (1416–1507) in Italien gegründet wurde. Und gerade die „Charitas“ ist eines seiner absolut zentralen Prinzipien – der heilige Franz von Paula wird oft mit einem Wappenschild über dem Kopf oder auf der Brust dargestellt, auf dem die Aufschrift „Charitas“ zu lesen ist.

„Francisce, haec erunt insignia tui Ordinis.“
Der Überlieferung zufolge erschien dem heiligen Franziskus während des Gebets der Erzengel Michael, der einen leuchtenden Schild mit der Aufschrift „Charitas“ in den Händen hielt und ihn ihm mit den Worten überreichte: „Dies soll das Zeichen deines Ordens sein.“ Das Licht dieses Schildes, das wie die Sonne strahlt, ist das Symbol des Ordens der Kleinbrüder des heiligen Franz von Paula (Pauliner).

Im Kontext der Spiritualität des Ordens bedeutet „Charitas“ selbstlose, sich hingebende Liebe, wie sie Gott den Menschen und seiner gesamten Schöpfung entgegenbringt. Die Paulaner sollen sich bemühen, dieser Liebe nachzueifern. Der heilige Franz von Paula sagte oft zu ihnen: „Tut alles aus Liebe zu Gott.“

Die Leitgedanken der Paulaner:
Der Orden orientiert sich an drei Gelübden – Armut, Keuschheit, Gehorsam –, doch der heilige Franz von Paula fügte noch ein viertes hinzu, das für unsere Frage von grundlegender Bedeutung ist: 4. Buße (lat. vita paenitentialis) – diese bußfertige Liebe (Charitas verbunden mit Buße) bedeutet – in radikaler Bescheidenheit und Demut zu leben, aus Liebe zu Gott und um der anderen willen,
der Geringste unter den Geringsten (minimi) zu sein, denn Christus selbst ist zum Diener geworden
den Kranken, Armen und Ausgegrenzten zu dienen – aus reiner Liebe, nicht um einer Belohnung willen

Charitas in der Spiritualität der Pauliner:
– Liebe zu Christus in den Armen: Die Pauliner glauben, dass Christus in den Armen und Leidenden gegenwärtig ist. Daher war ihr Dienst keine Wohltätigkeit im modernen Sinne, sondern eine fromme Antwort auf die Liebe Christi.

Charitas als Askese: Der heilige Franz von Paula führte ein äußerst strenges asketisches Leben, einschließlich Vegetarismus, Schweigen und Fasten, jedoch nicht aus Leistungsdrang, sondern als Geschenk der Liebe (Charitas) an Gott und die Menschen.

Charitas im Gebet und im Dienst: Es ist eine innere Haltung – die Pauliner beten für die Welt, leiden mit den anderen, leben oft zurückgezogen, aber immer mit dem Ziel, Vermittler der Liebe Gottes zu sein.

Der heilige Franz von Paula – ein Beispiel für „Charitas“:
- Er lehnte Ehrungen und Einfluss ab, obwohl Päpste und Könige ihn suchten
– er half den Armen ohne Erwartungen, seine Taten waren ein reiner Ausdruck der in ihm wohnenden Liebe Gottes
– er besaß die Gabe der Heilung und der Prophetie, setzte diese jedoch stets im Dienst an anderen ein, nicht für sich selbst
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