Eine Marienlegende im Zusammenhang mit der Kirche in Vranov bei Brünn

29.08.2025

Wenn man „Vranov bei Brünn“ sagt, denken viele an einen Ort der Stille, der Wallfahrten und des innigen Gebets. Doch dieses gesamte Wallfahrtszentrum hat seine Wurzeln in einer alten Legende, die bereits seit dem 13. Jahrhundert überliefert ist. Sie erzählt von dem Adligen Marschall Wilhelm, der hier nicht nur ein persönliches Drama erlebte, sondern auch eine wundersame Begegnung mit der Jungfrau Maria. Dieses Ereignis veränderte sein Leben für immer und legte zudem den Grundstein dafür, dass Vranov zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Mähren wurde.

Der verlorene Adlige

Wir schreiben das Jahr 1240. Marschall Wilhelm begibt sich auf die Jagd, verliert jedoch in den dichten Wäldern von Vranov den Weg. Stundenlang irrt er umher, ratlos und erschöpft. Seine Qualen werden durch eine langwierige Augenkrankheit noch verstärkt. Und so beginnt er in der Dunkelheit, umgeben von Stille und ohne Hoffnung, um Hilfe zu rufen. Er wendet sich an die Jungfrau Maria mit der Bitte, ihm den Weg zu weisen und ihn aus seiner Not zu befreien. Und genau in dem Moment, als er keine menschliche Stütze mehr hat, kommt die ersehnte und lang erwartete Antwort. In jenem Augenblick, als er sich am Ende seiner Kräfte fühlte und seine Bitte an die Jungfrau Maria richtete, geschah etwas, das nicht nur sein Leben, sondern auch den ganzen Ort veränderte.

Eine Offenbarung zwischen zwei Eichen

Vor Wilhelm erscheint plötzlich eine Erscheinung – die Jungfrau Maria zwischen zwei mächtigen Eichen. Die Anwesenheit der marianischen Erscheinung erfüllte den Adligen mit Frieden und Licht. Ein Licht, das nicht nur seine äußere Dunkelheit erhellte, sondern auch seine Seele erfüllte. Die Blindheit weicht plötzlich, und Wilhelm öffnet wieder die Augen. Diesmal nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Er weiß, dass er gerettet ist und zugleich geführt wird. Und die Dankbarkeit in seinem Herzen verwandelt sich in unerschütterliche Entschlossenheit. Jetzt weiß er es…! Gerade dieser Ort, an dem etwas so Außergewöhnliches geschehen ist, darf nicht in Vergessenheit geraten.

Eine kleine Kirche als Dankeschön

Nach seiner Rückkehr beschließt Wilhelm, seine Dankbarkeit nicht nur durch Gebete zum Ausdruck zu bringen. An der Stelle, an der ihm die Jungfrau Maria erschienen war, lässt er eine kleine Holzkirche errichten. Darin stellt er dann auch eine kostbare Marienstatue auf, die in der Nähe gefunden wurde. Die Statue, die ein junges Mädchen darstellt, das bereits vom Heiligen Geist im Gebet besucht wurde, wird zum Symbol dieses Ereignisses und zählt zu den wertvollsten Marienschätzen in Mähren. Vílém ging es jedoch nicht nur um ein Bauwerk aus Holz und Stein – für ihn war es ein Bauwerk des Glaubens und der Hoffnung. Schnell wurde sie dann Zeugin der Geschichten immer neuer Pilger. Die Menschen begannen, an diesen Ort des Wunders zu kommen, um zu beten, zu danken und zu bitten. Sie suchten hier Heilung und Kraft für ihr Leben. Die Nachricht vom Wunder verbreitete sich in der Region, und der Ort gewann eine besondere Atmosphäre – von Gebeten durchdrungen, still und doch voller Leben. So wurde die kleine Kirche zum ersten Kapitel eines großen Wallfahrtsortes, den wir heute als Vranov bei Brünn kennen.
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Von der kleinen Kirche zur Kathedrale

Der Pilgerandrang nahm stetig zu, die Zahl der Gläubigen stieg, und die kleine Holzkirche reichte für alle Pilger nicht mehr aus. Deshalb wurde sie durch eine größere, gemauerte gotische Kirche ersetzt. Als im 17. Jahrhundert die Fürsten von Liechtenstein die Herrschaft über Vranov übernahmen, beschlossen sie, an diesem heiligen Ort eine prächtige Kirche zu errichten. Im Jahr 1630 wurde der Grundstein für die barocke Kirche „Mariä Geburt“ gelegt, die bis heute das Herzstück des gesamten Wallfahrtsgeländes bildet. Zusammen mit dem Paulinerkloster entwickelte sich der Ort über viele Jahrhunderte hinweg zu einem bedeutenden spirituellen Zentrum, das Tausende von Pilgern anzieht. Diese Kirche steht bis heute als Zeuge eines längst vergangenen Wunders und des aufopferungsvollen Glaubens ganzer Generationen.

Die Statue der Jungfrau Maria – das Herzstück des Wallfahrtsortes

Im Herzen dieses Ortes, in der Kirche, befindet sich eine Statue der Jungfrau Maria. Sie ist als junges Mädchen beim Gebet dargestellt. Und bis heute ist sie eines der wertvollsten Denkmäler dieser Art in Mähren. Sie verkörpert eine tiefe Symbolik – Einfachheit, Reinheit und Vertrauen. Der Anblick dieser Statue verliert auch nach Jahrhunderten nichts von seiner Kraft. Pilger, ob Gläubige oder einfach nur Suchende, finden in der Statue der Jungfrau Maria das Abbild einer Person, die sie versteht, die ihre stillen Worte und Wünsche hört. Genau deshalb bleibt Vranov nicht nur ein Ort der Geschichte, sondern auch eine lebendige Gegenwart, die alle Herzen berührt.

Eine Parallele zu dem heiligen Franz von Paola

Es ist kein Zufall, dass mit diesem Wallfahrtsort auch eine weitere Geschichte über eine wundersame Heilung der Augen verbunden ist – diesmal die des Heiligen Franz von Paola, des Gründers des Paulinerordens. Auch er machte in seiner Kindheit die Erfahrung, dass sein Sehvermögen bedroht war, und dennoch erlangte er dank seines Glaubens und seiner Hingabe an Gott die Heilung. Die Ähnlichkeit beider Geschichten ist mehr als offensichtlich: Sowohl Vilém als auch Franziskus sahen sich einer Dunkelheit gegenüber, die ihre Augen verschleierte, und beide fanden dank ihres Glaubens das Licht. Es ist, als wäre es beiden geschenkt worden, die Welt nicht nur mit den körperlichen Augen, sondern auch mit den Augen des Herzens wiederzusehen. Und genau darin liegt die tiefe Botschaft, die Vranov vermittelt – dass das Licht des Glaubens stärker ist als jede Dunkelheit.

Ein Wunder, das bis heute fortbesteht

Wenn man heute die Kirche in Vranov betritt, umgibt einen eine Atmosphäre voller Gebete und stiller Besinnung. Die Statue der Jungfrau Maria, die auf dem Hauptaltar steht, erinnert nicht nur an das längst vergangene Wunder der Heilung des Adligen Wilhelm, sondern auch daran, dass jeder von uns im Leben einen Weg aus der Dunkelheit finden kann. Genau wie Wilhelm damals kommen auch wir heute mit unseren Bitten hierher, suchen das Licht und gehen oft verwandelt wieder fort. Vranov ist somit nicht nur ein Ort der historischen Erinnerung, sondern ein nach wie vor lebendiger Wallfahrtsort, an dem sich Himmel und Erde vermischen.
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